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Jetzt erst recht! Für das gute Leben für alle!

Zeit & Ort

07.03.25
19:00
Hauptbahnhof

Bochum

Infos

Kollektiv

Organisiert von Feministische Aktionswochen Bochum

Feministische Vorabenddemo. Jetzt erst recht: Wir lassen uns nicht einschüchtern, sondern kämpfen weiter. Für das gute Leben für alle: solidarisch, laut und unaufhaltsam.

Am Vorabend des 8. März gehen wir gemeinsam auf die Straße. Wir stellen uns der entsetzlichen Gewalt gegen FLINTA*, d.h. Frauen, Lesben, inter, nicht binäre, trans und agender Personen, entgegen. Gemeinsam wehren wir uns gegen das Erstarken rechter Kräfte, gegen Rassismus und Antisemitismus und gegen die aufklaffende Ungleichheit zwischen Reichtum und Armut.Diese Eskalation lassen wir nicht unbeantwortet! Denn die gegenwärtigen Entwicklungen machen deutlich: Der Kampf für ein Ende dieser dystopischen Zustände ist dringender und unerlässlicher als je zuvor. Unsere Antwort auf all das ist klar: Wir kämpfen für das gute Leben für Alle – und zwar jetzt erst recht!

In Bochum, im Ruhrgebiet, in Deutschland, in Europa, auf der ganzen Welt werden Frauen aufgrund ihres Geschlechts ermordet. Jeden Tag steigt die Zahl der Feminizide – hierzulande und überall. Wir gedenken Michaela, die am 22.12.2024 in Bochum-Linden von ihrem Ehemann in der gemeinsamen Wohnung getötet wurde. Wir gedenken den mehr als 100 Frauen, die in Kenia innerhalb von nur drei Monaten getötet wurden. Wir gehen heute auf die Straße für alle Frauen, die dieser geschlechtsspezifischen Gewalt ausgesetzt sind oder waren und gedenken all jenen, die sie nicht überlebt haben.

Feminizide sind tief in die Struktur des kapitalistischen Patriarchats eingeschrieben. Sie sind Ausdruck tief verwurzelter patriarchaler Gewalt und dienen der Erhaltung von Machtstrukturen. Wir fordern Schutzräume – kostenlos und unkompliziert, für alle von Gewalt betroffenen Frauen und deren Kinder. Und wir fordern effektive Präventionsmaßnahmen für ein Ende der Gewalt. Jetzt erst recht!

Derweil gewinnen die AfD und andere rechte Kräfte weiterhin an Macht. Antifeminismus ist dabei stets grundlegender Bestandteil des rechten Weltbildes. So wird etwa im Parteiprogramm der AfD eine Rückkehr zu extrem traditionellen Familienbildern gefordert, die das Verschwinden von Frauen aus der Öffentlichkeit zur Konsequenz hätte. Sie sollen vollkommen in eine vermeintlich natürliche Rolle als Gebärmaschine, sorgende Mutter und Hausfrau gezwungen und darüberhinaus weitestgehend vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden. Und auch jetzt schon nutzt die AfD jede Gelegenheit, um antifeministische, rassistische und queerfeindliche Politik voranzutreiben. Diese Mobilisierung fand im vergangenen Sommer ein erschreckendes Ausmaß, als Veranstaltungen zum Christopher Street Day von hasserfüllten Aufmärschen gewaltbereiter Rechter und organisierter Neonazis bedroht wurden.

Diejenigen, die sich Neonazis in den Weg stellen, werden vom Staat kriminalisiert, verfolgt und weggesperrt, während Parteien der sogenannten Mitte eine reaktionäre Agenda noch verantreiben, um rechte Wähler:innen zu hofieren. Doch wir lassen uns nicht einschüchtern! Free all Antifas!

Wie sehr man mittlerweile drauf scheißt, zeigt sich beispielsweise in der Einigung von SPD und Grüne mit Jörg Lukat als Kandidaten für die im September anstehende Oberbürgermeisterwahl in Bochum. Lukat, der, damals als Leiter des Dortmunder Staatsschutzes, im Zuge der Ermittlungen nach dem Mord an Mehmet Kubaşık durch die rechtsterroristische Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund konsequent weggeschaut hat.

Wie jedes Jahr werfen wir auch einen Blick über Deutschland hinaus: Indem die Taliban Frauen in Afghanistan jetzt verbieten, in der Öffentlichkeit zu sprechen, setzen sie die systematische Auslöschung von Frauen aus dem öffentlichen Leben fort. Doch auch im Angesicht dieser brutalen Entrechtung und Verdrängung kämpfen die Frauen Afghanistans und setzen dabei tagtäglich ihr Leben auf’s Spiel. Ihnen gilt unsere uneingeschränkte Solidarität.

Mit dem Sturz des Assad-Regimes in Syrien begann die türkische Regierung eine brutale und vernichtende Militäroffensive gegen die selbstverwalteten kurdischen Gebiete im Nordosten Syriens. Diese stehen für emanzipatorische Ideale, für Basisdemokratie und für ein solidarisches Zusammenleben. Angriffe auf Kurdistan sind Angriffe auf Freiheit, auf Emanzipation, auf das Versprechen eines besseren Lebens für Alle. Wir lassen die Menschen in Kurdistan nicht alleine – ihre Kämpfe sind auch unsere Kämpfe!

Die gewaltvollen Verhältnisse sind heute omnipräsent. Mehr denn je müssen wir zusammenhalten. Wir sind viele! Lasst uns unsere Entschlossenheit nicht verlieren, denn selbst das bereits Erkämpfte droht, uns wieder entrissen zu werden. Lasst uns darum kämpfen:

…FÜR DAS GUTE LEBEN FÜR ALLE!

Doch innerhalb des bestehenden Systems wird es kein gutes Leben für alle geben. Dieses System basiert auf Kapitalismus, Patriarchat, kolonialen Machtstrukturen und erzeugt Unterdrückung und stetig neue Krisen und Katastrophen. Der Kapitalismus lebt von der Ausbeutung von Mensch und Natur und ist auf stetiges wirtschaftliches Wachstum angewiesen, das jegliche natürliche Lebensgrundlage zerstört. Klimakrise, Umweltzerstörung und Artensterben sind direkte Folgen dieses Wachstumszwangs. Ein gutes Leben für alle ist unmöglich, wenn die Existenzgrundlagen von Menschen und zukünftigen Generationen zerstört werden.

Kapitalismus und Patriarchat gehen Hand in Hand. Denn auch die Ausbeutung und Unterdrückung der Frau und das zwanghafte Festhalten an heteronormativen Vorstellungen von Familie sind Existenzgrundlage des kapitalistischen Systems. Denn im Kapitalismus wird Sorgearbeit – Kinderbetreuung, Pflege, Haushalt – überwiegend von Frauen verrichtet. Diese Arbeit ist essentiell, da sie die Arbeitskraft der Beschäftigten erhält und die nächste Generation von Arbeiter:innen heranzieht. Ferner sorgt das Patriarchat dafür, dass Frauen systematisch benachteiligt und unterdrückt werden – sei es durch ungleiche Bezahlung, ungleiche Verteilung von Sorgearbeit oder geschlechtsspezifische Gewalt.

Wir müssen erkennen: Das gute Leben wird für uns alle durch Ausbeutung, Unterdrückung und Gewalt unerreichbar gemacht. Solange der Wohlstand einiger Weniger auf der Armut von Vielen basiert, werden echte Veränderungen systemisch verhindert. Feminizide und patriarchale Gewalt sowie reaktionäre und menschenfeindliche Politiken sind Resultate eben dieses zerstörerischen Systems.

Wir wollen dem ein solidarisches Miteinander der gegenseitigen Fürsorge und Akzeptanz entgegensetzen. Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen, sondern stehen Schulter an Schulter. Wir wollen Klimagerechtigkeit statt Profitmaximierung und ständigen Wachstumszwang und Konkurrenz. Wir wollen ein Leben, in dem wir selbstbestimmt über den eigenen Körper bestimmen können, anstatt dass unsere Körper zum Schauplatz antifeministischer Politik gemacht werden. Wir wollen eine Welt, in der Care-Arbeit die zentrale Position bekommt, die ihr zusteht: Denn die Sorge umeinander, füreinander und miteinander ist das Fundament für eine solidarische Gesellschaft und für das gute Leben für alle. Nur mit der Befreiung von den Zwängen der bestehenden Verhältnisse rückt ein anderes Leben, ein besseres Leben in greifbare Nähe.

Jetzt erst recht: Wir lassen uns nicht einschüchtern, sondern kämpfen weiter. Für das gute Leben für alle: solidarisch, laut und unaufhaltsam.

Heraus zum feministischen Kampftag 2025

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