Wehrreform: Deutschland macht sich kriegsbereit – und du sollst dich dazu stellen!
Darüber wollen wir diskutieren:
Mit welchen Zumutungen an den Verstand wird aus einem fremden Staat ein ganz persönlicher Feind gemacht? Wie wird von jedem Einzelnen verlangt, sich innerlich auf die staatliche Kriegsvorbereitung einzustellen – als Gewissensfrage, als Verantwortungsbeweis, als demokratische Pflicht? Und warum erweist sich ausgerechnet die demokratische Kritik an Aufrüstung, Wehrpflicht und Lastenverteilung als so verlässlich produktiv für genau das, was sie angeblich hinterfragt: die Herstellung allgemeiner Kriegsbereitschaft?

[öffentliche diskussion]
Wehrreform: Deutschland macht sich kriegsbereit
– und du sollst dich dazu stellen!
Datum: Donnerstag, 29. Januar 2026, 19.00 Uhr
Ort: Bahnhof Langendreer Wallbaumweg 108, 44894 Bochum, Raum 6
Veranstalter: kritik&argumente
Die Zeitenwende 2.0 verlangt mehr als Waffen und Geld – sie verlangt den dazu passenden Geist. Und da diagnostiziert die politische Führung beim Volk einen Mangel: zu friedlich, zu bequem, zu wenig vorbereitet auf das, was sie als nationale Notwendigkeit ausruft. Die Bevölkerung wird mit Feindbildpflege, drastischer Ausmalung der Bedrohungslage und dem Aufruf, dieser resilient und nicht zu ängstlich zu begegnen, geistig auf Krieg getrimmt, der nicht weiter als Ausnahme, sondern als realistische Lebensperspektive begriffen werden soll.
Gefordert und gefördert wird ein „Mentalitätswechsel“, dessen Notwendigkeit am Feindbild Russland vorgeführt wird: Das Volk soll endlich begreifen, dass es sich geistig auf einen konventionellen Krieg gegen Russland einzustellen hat. Diese Perspektive wird nicht begründet, sondern als Sachzwang verkündet, der angeblich aus der „Lage“ folgt. Dass es sich dabei um einen politischen Willen handelt, der Gegner benennt, Fronten zieht und Aufrüstung betreibt, verschwindet hinter der Beschwörung einer unausweichlichen Notwendigkeit. Dabei stellt kaum jemand die unerwünschte Fragen: Warum eigentlich dieser Krieg – und welchen und wessen Zwecken dient er?
Am Ende wird es persönlich. Die Wehrreform verwandelt den Dienst für den Staat in eine private Gewissensfrage: „Was kann ich und was will ich zur Sicherheit meines Landes, in dem ich lebe, beitragen?“ Jeder soll sich fragen, ob er bereit ist, für „uns alle“ zu dienen. Mit derart moralischer Nötigung wird die Bevölkerung nicht nur auf den Ernstfall eingeschworen, jeder Einzelne soll ihn als bekennender Teil der nationalen Schicksalsgemeinschaft auch geistig mittragen. Jeder soll entscheiden, was er für die Sicherheit des Landes tun will. Dabei ist das einzige, was der befragte Mensch entscheidet, nur eins: sich!
Darüber wollen wir diskutieren:
Mit welchen Zumutungen an den Verstand wird aus einem fremden Staat ein ganz persönlicher Feind gemacht? Wie wird von jedem Einzelnen verlangt, sich innerlich auf die staatliche Kriegsvorbereitung einzustellen – als Gewissensfrage, als Verantwortungsbeweis, als demokratische Pflicht? Und warum erweist sich ausgerechnet die demokratische Kritik an Aufrüstung, Wehrpflicht und Lastenverteilung als so verlässlich produktiv für genau das, was sie angeblich hinterfragt: die Herstellung allgemeiner Kriegsbereitschaft?